Sie ist 65 Jahre alt und immer noch ein Hit: die Currywurst! Nicht nur Herbert Grönemeyer setzte ihr ein musikalisches Denkmal, sie hat auch ein eigenes Museum in Berlin und bundesweit sind ihr Millionen Deutscher regelrecht verfallen. Die Currywurst mag so ziemlich jeder.

Ein verregneter Abend in Berlin-Charlottenburg

Die Erfolgswurst ist die Erfindung, so die Überlieferung, der Berlinerin Herta Heuwer. An einem verregneten Septemberabend 1949 in Berlin, stand Herta Heuwer in ihrem Imbiss in Charlottenburg und grübelte darüber, wie man das Lieblingsessen der amerikanischen Soldaten – Steak mit Ketchup – günstig imitieren könnte, denn Steaks waren in der Nachkriegszeit Luxusware.

Not macht erfinderisch: Die Entdeckung der Currywurst

Kurzerhand mixte Frau Heuer aus Tomatenmark, Currypulver, Worcestershiresauce und weiteren Zutaten eine verdammt gute Soße, die sie wenig später regelrecht berühmt machen sollte. Die teuren Steaks wurden durch die Berliner Dampfwurst mit Pelle ersetzt – als Beilage diente eine weiche Schrippe. Mit diesem genialen Schachzug waren die Notzeiten für Herta Heuwer für immer vorbei. Ihr neues Rezept sprach sich schnell rum, der Imbisswagen wurde durch ein festes Ladenlokal ersetzt. Die Leute rannten ihr die Bude ein. Zehn Jahre später wurde die Soße so oft kopiert, dass die gute Herta sich ihr Original als „Chillup“ beim Patentamt sichern musste.

Mit Pelle oder ohne? Geschnitten oder halbiert?

Die Originalwurst war mit Pelle. Vor allem in der damaligen DDR setzte sich, in Ermangelung an Naturdärmen, die Variante ohne Darm durch. Während die Currywurst im Ruhrpott meist geschreddert wird, gibt es sie in Berlin auch halbiert am Spießchen – oder mit der Schere geschnitten. Apropos Berlin: Laut einer Schätzung gehen in der Bundeshauptstadt etwa 70 Millionen Currywürste jährlich über den Tresen.

Berlin oder Hamburg?

Die Hamburger übrigens beanspruchen die Erfindung der Currywurst ebenfalls für sich. Der Schriftsteller Uwe Timm schreibt Lena Brücker „die Erfindung der Currywurst“ in seinem gleichnamigen Roman zu. Lena Brücker soll bereits direkt nach dem Krieg am Großneumarkt eine rote Soße gekocht haben, die der Autor dort 1947 gegessen haben will. Einen weiteren „Beweis“ gibt es nicht – damit Punktsieg für Berlin!

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