Würste in allen Formen und Sorten – in Deutschland haben sie eine lange Tradition. Schon im frühen Mittelalter gab es auf öffentlichen Festen Wettbewerbe zwischen verschiedenen Metzgermeistern: Prämiert wurde die größte, schwerste oder feinste Wurst. Immer mehr wurde das Produzieren von Würsten bereits damals zum Handwerk und sogar zur Kunst. Nach dem Ende der Staufer zerfiel Deutschland im 13. Jahrhundert in viele kleine Territorien: In über 300 kleinen Staaten wurden die unterschiedlichsten Traditionen und damit auch die unterschiedlichsten Rezepte überliefert. Das Ergebnis davon: mehr als 1500 Wurstsorten und mindestens ebenso viele festliche Gelegenheiten, diese zu zelebrieren.

Alte Wurstbräuche

Für viele gehören sie genauso zum Heiligen Abend wie der Weihnachtsbaum: Würstchen mit Kartoffelsalat. In jedem dritten deutschen Haushalt stehen sie am 24. Dezember auf dem Speiseplan! Das hat vor allem wohl praktische Gründe – im ohnehin schon aufreibenden Weihnachtstrubel verschiebt man das große Kochen gern auf ersten oder den zweiten Weihnachtsfeiertag. Eine andere, weitaus weniger bekannte Tradition ist das Etinger „Wurstsingen“. Dieses ist reine Männersache: Am Rosenmontag verwandeln sich in dem Örtchen zwischen Wolfsburg und Magdeburg gruselig verkleidete Gestalten, die mit lautstarkem Gesang den Winter vertreiben. Dabei werden – ähnlich wie zu Halloween – andere Bewohner des Ortes besucht, die die Sänger mit Wurst und Schnaps verköstigen müssen. Die Würste werden an einem mitgebrachten langen Stock befestigt und wie eine Trophäe durch den Ort getragen.

Im Karneval geht’s um die Wurst

Auch am Niederrhein liebt man es deftig: Das „Wurstjagen“ hat dort lange Tradition und gehört in vielen Orten zur fünften Jahreszeit einfach dazu. Auch hier ziehen mit langen Stöcken bewaffnete Männer von Hof zu Hof, um eine Spende für ein Festessen, also eine Wurst zu erbeuten. Jeder, der älter ist als 16 Jahre, ist dazu eingeladen, sich dem „Wurstjagen“ anzuschließen.

Ein bayrischer Brauch, der noch heute an Sonn- und Feiertagen zelebriert wird, ist das typische Weißwurstfrühstück. Dieses besteht erwartungsgemäß aus frischen Weißwürsten, die mit süßem Senf und Laugenbrezn heiß serviert werden. Dazu wird nicht etwa Kaffee, sondern Bier gereicht. Für das Weißwurstfrühstück nimmt sich der echte Bayer viel Zeit – in lustiger Runde kann es sich locker bis in die Mittagsstunden hinziehen…

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